Anleitung zum Riggtrimm
Der richtige Trimm des Riggs ist die Grundvoraussetzung für gute Segeleigenschaften. Leider ist der Anfänger
damit oft überfordert zumal in den Bauanleitungen der meisten Boote darauf nicht bzw. nur am Rande eingegangen wird.
Die folgende Anleitung bildet die Grundlage für einen korrekten Riggtrimm. Mit den angegebenen Einstellungen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht,
sie haben bislang bei jedem Boot auf Anhieb gepasst und mussten selbst nach ausgiebigen Tests nur geringfügig korrigiert werden.
Die Angaben stammen aus dem "Rough IOM Setup Guide" von Lester Gilbert, einem der weltbesten RC-Segler und
Vorsitzender der internationalen IOM-Klassenvereinigung. Von ihm habe ich schon so manchen guten
Tipp erhalten und er erlaubte mir auch die Übersetzung dieser Trimmanleitung.
Ok, dann wollen wir mal!
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| Anstellwinkel des Großbaums: |
5 Grad |
| Anstellwinkel des Fockbaums: |
12 Grad |
Die Winkelangaben verstehen sich bei voll dichtgeholten Segeln gemessen zur Längsachse des Bootes.
Es empfielt sich diese Winkel einmal auszumessen und mit einem wasserfesten Stift entsprechende Markierungen auf
dem Bootsdeck anzubringen. So sieht man immer sofort ob die Einstellung passt.
Bei Booten mit sehr guten
Am-Wind-Leistungen kann man versuchen den Großbaumwinkel noch etwas zu verkleinern, bei meinen IOMs beträgt er derzeit
2 Grad.
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| Verwindung des Großsegels: |
7,5 bis 10 Grad |
Das Achterliek eines Großsegels darf niemals völlig straff gezogen sein, aber dem Winddruck auch nicht zu sehr
nachgeben. Vielmehr benötigt es eine dosierte Verwindung, den sogenannten "Twist". Dieser wird durch den Baumniederholer
eingestellt.
Den richtigen Twist kann man am besten kontrollieren indem man das Rigg mit Winddruck im Segel von hinten betrachtet. Als Orientierung gilt:
- die mittlere Segellatte sollte parallel zur Längsachse des Bootsrumpfes stehen
- die obere Segellatte sollte parallel zum Großbaum stehen
Bei starkem Wind kann der Twist auch noch etwas verstärkt werden um dadurch der Tendenz des Bootes zum anluven
entgegenzuwirken.
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| Verwindung des Vorsegels: |
10 bis 12,5 Grad |
Was für das Großsegel gesagt wurde gilt auch für die Fock: auch hier muss das Achterliek einen Twist aufweisen, sogar etwas mehr als beim
Großsegel. Um überhaupt einen Focktwist (auch als Fockspalt bezeichnet) einstellen zu können benötigt man eine sog. "Dirk", eine dünne Leine die
vom hinteren Ende des Fockbaums zum oberen Aufhängungspunkt der Fock am Mast führt. Leider ist die Dirk in vielen
Bauanleitungen nicht erwähnt, aber sie gehört als wichtiger Bestandteil zu jedem Rigg.
Mit einem kleinen Klemmschieber kann die Spannung der Dirk so weit erhöht werden bis ein gleichmäßiger Fockspalt entsteht. Von schräg hinten betrachtet
sollte der entstandene Spalt möglichst lange etwa parallel zum Mast führen, er darf im oberen Segelbereich nicht zu früh schließen.
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Das Vorliek des Großsegels ist im Normalfall nicht völlig gerade geschnitten, sondern hat eine leicht konvexe
Schnittkante. Daher darf der Mast auch nicht exakt gerade stehen sondern muss durch leichte Biegung der Kurve des Vorlieks angepasst werden.
Dies erreicht man durch die Erhöhung der Achterstagspannung.
Die Spannung schrittweise erhöhen - meist durch verstellen eines Klemmschiebers - bis Mast und Vorliek diesselbe Biegekurve haben.
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Die Spannung des Vorstags muss so stark sein dass es auch bei starken Böen nicht nachgibt, das Vorliek des Vorsegels also keinen
Bauch nach Lee bekommt. Diese hohe Spannung bekommt man nur durch viel Zug auf das Achterstag, dies könnte aber dazu führen dass
der Mast in sich zu stark gebogen wird und nicht mehr zur Kurve des Großsegel-Vorlieks passt (siehe "Biegung des Masts"). Um dieses Dilemma zu beseitigen gibt es zwei
Möglichkeiten:
- Die Wantenspannung wirkt der Mastbiegung entgegen, also bei zunehmender Acherstagspannung auch die Wantenspannung erhöhen.
- Sollte dies noch nicht reichen so kann man bei Alu-Masten diesem eine negative Vorspannung geben.
Also einfach das Mastrohr mit den Händen behutsam so lange biegen bis es nicht
mehr völlig gerade ist ist sondern eine leichte Krümmung nach vorne aufweist.
Aber vorsicht: ein Alu-Mast knickt auch leider sehr schnell ab!
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| Profiltiefe des Großsegels: |
8-10% |
| Profiltiefe des Vorsegels: |
6-8% |
Jedes Segel muss ähnlich dem Profil einer Tragfläche eine leichte Krümmung aufweisen. Häufig sieht man jedoch Segel
die völlig flach gezogen werden, so kann dieser "Windmotor" aber nicht arbeiten! Also muss die Spannung am
Unterliek der Segel so justiert werden dass es einen leichten Bauch ausbilden kann.
Die angegebene Profiltiefe wird von der Mitte des Groß- oder Fockbaums bis zur tiefsten Stelle des Segelprofils gemessen. Bei 8% Profiltiefe
müsste somit ein Großsegel mit einem 30 cm langem Unterliek eine Tiefe von ca. 24 mm aufweisen.
Bei starkem Wind ist ein flacheres Profil von Vorteil, bei leichtem Wind oder bei stärkerem Wellengang sollte mit etwas mehr
Profiltiefe gesegelt werden.
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| Drehpunkt des Fockbaums: |
20-25% |
Der Drehpunkt der Fock sollte bei ca. 20-25% der Fockbaumlänge (von vorne gemessen) liegen.
Damit die Fock bei Vorwindkurs leicht in die Butterfly-Stellung ausschwenken kann sollte am vorderen Ende
des Fockbaums ein kleines Ausgleichsgewicht angebracht werden.
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| Unterschiedlicher Schotradius: |
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In der dichtgeholten Position haben Groß- und Vorsegel einen unterschiedlichen Anstellwinkel von 5 bzw. 12 Grad (siehe Anstellwinkel).
Werden die Segel jedoch auf dem Vorwindkurs in die Butterfly-Position geöffnet so dürfen beide Segel einen Anstellwinkel von
max. 90 Grad haben. Somit müsste also die Großschot etwas mehr öffnen als die Fockschot obwohl sie vom selben Servo bzw.
derselben Winde bedient werden.
Erreicht wird der gewünschte Effekt dadurch dass Abstand zwischen dem Befestigungspunkt der Großschot und dem Drehpunkt des Großbaums
etwas geringer sein muss als der Abstand dieser Punkte beim Fockbaum. Der Unterschied der beiden Schotradien sollte ca. 10-15% betragen, will
man vermeiden dass das Großsegel sich zu stark an die Wanten anlegt kann dieser Unterschied auch etwas geringer ausfallen.
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